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Tolerante Gesellschaft als Humus für die Kreativwirtschaft

In einer sich ständig wandelnden Gesellschaft sind Kreativität und lebendiges Wissen Quelle der Wertschöpfung. Die Wissensgesellschaft arbeitet mit immateriellem Kapital. Die Entrepreneurs als Kapitalträger leisten mit ihren Ideen und Dienstleistungen einen bedeutenden Beitrag zu einer lebendigen Gesellschaft und einer gesunden Volkswirtschaft. Die Schweiz als rohstoffarmes Land, ist auf gut ausgebildete und kreative Menschen angewiesen, will sie ihre Spitzenposition im Bereich der Forschung, Entwicklung und Innovation halten und weiter ausbauen. Eine fortschrittliche und tolerante Gesellschaft ist daher der ideale Nährboden für das Creative-Human-Capital.

Die Zunahme und Konzentration kreativer Unternehmen an bestimmten Orten hat nicht nur ökonomische Folgen, sie bringt auch einen gesellschaftlichen und kulturellen Wandel mit sich. Pluralistische und offene Städte haben einen überzeugenden Wettbewerbsvorteil, wenn es darum geht, Kreativität zu fördern, Innovationen sowie steigenden Wohlstand und wirtschaftliches Wachstum zu verwirklichen. Die wirtschaftliche Stärke einer Region steht in unmittelbarer Relation zur Anwesenheit von Technologie, Talent und Toleranz (3 Ts). Kreative Menschen lassen sich am ehesten dort nieder, wo diese drei Faktoren als gesellschaftliche Realität existieren und aktiv gefördert werden.


Für bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Die Wertschöpfung der Kreativunternehmen lässt sich nicht mit anderen Clustern vergleichen. Zwar arbeiten mit fast einer halben Million Beschäftigten etwa genau gleich viele Personen in der Finanz- wie auch in der Kreativwirtschaft, jedoch ist die Kreativwirtschaft viel stärker in Klein- und Kleinstunternehmen fragmentiert.

Schon minimale ökonomische Veränderungen können sich auf Unternehmen in der Kreativwirtschaft erheblich auswirken. Als Beispiel könnte man auf die stetig steigenden Preise im Immobiliensektor hinweisen. Nachweislich findet an gewissen Orten gar eine Gentrifizierung statt. Hingegen profitiert die Kreativwirtschaft insgesamt direkt vom Ausbau der ausserfamiliären Kinderbetreuung, da viele Beschäftigte im Teilzeitpensum arbeiten.

Der Verband Kreativwirtschaft Schweiz setzt sich daher aktiv für bessere wirtschaftliche Rahmenbedingen für die Kreativwirtschaft ein. Konkret werden folgende Projekte verfolgt:

  • Studie Bedürfnisanalyse in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule der Angewandten Wissenschaften ZHAW
  • Aufbau von Instrumenten zur Förderung des branchenübergreifenden Austausches und Vernetzung
  • Besserstellung im Bereich der beruflichen Vorsorge im Rahmen des Vernehmlassungsverfahren «Altersvorsorge 2020»
  • Unterstützung beim Aufbau eines nationalen Inkubators für die Kreativwirtschaft
  • Unterstüztung von räumlichen Entwicklungsstrategien unter Berücksichtigung der Anliegen für die Kreativwirtschaft

Vernetzung und Förderung der Visibilität

Kreativunternehmen in der Schweiz sind stark fragmentiert und untereinander kaum vernetzt. In den einzelnen Clustern gibt es noch kein gemeinsames Verständnis für die branchenübergreifenden Anliegen. Daraus folgt, dass die Kreativwirtschaft weder auf politischer noch auf medialer Ebene ihrer Bedeutung entsprechend wahrgenommen wird. Das will der Verband Kreativwirtschaft Schweiz ändern, indem er der Kreativwirtschaft eine eigene politische Stimme gibt. Auf kommunaler, kantonaler und nationaler Ebene soll sich der Verband aktiv für die Anliegen der Kreativwirtschaft einsetzen.

Die ständigen Aufgaben des Verbandes Kreativwirtschaft Schweiz sind die Förderung der Visibilität der Kreativwirtschaft im In- und Ausland, die Erklärung der politischen Anliegen und Positionen der Kreativwirtschaft gegenüber der Schweizer Öffentlichkeit und der Aufbau und die Pflege des Beziehungsnetzes der Kreativwirtschaft zu Entscheidungsträgern und Meinungsführerinnen der Schweiz.

Der Verband strebt zudem eine bessere Vernetzung unter den einzelnen Branchen an. Diese umfassen sämtliche Unternehmen, Kleinstfirmen und Selbstständigerwerbende aus den unten aufgeführten Teilmärkten (vgl. dazu Weckerle, Christoph, Gerig, Manfred, Sönermann, Michael, Kreativwirtschaft Schweiz, Daten, Modelle, Szene, Birkhäuser, 2008):

Software- und Gameindustrie / Architekturmarkt / Designwirtschaft / Pressemarkt / Musikwirtschaft / Rundfunk / Buchmarkt / Darstellende Kunst / Filmwirtschaft / Werbemarkt / Kunstmarkt / Kunsthandwerk / Phonotechnischer Markt

Think-Tank

In der Schweiz gibt es vier Denkfabriken und alle liegen in und um Zürich. In Zürich wird nicht mehr gedacht als anderswo in der Schweiz, jedoch kommt der Stadt durch ihre wirtschaftliche Vormachtstellung eine gewisse Bedeutung zu. Wir sind davon überzeugt, dass die Kreativwirtschaft am sozioökonomischen und gesellschaftspolitischen Diskurs aktiv mitwirken soll. Durch die Gründung einer fünften Denkfabrik wird der Verband die öffentliche Diskussion aktiv mitgestalten und die öffentliche Meinungsbildung beeinflussen.